Prozessbeginn im Doppelmord von Krailling
Vor ihrer Ermordung müssen die Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) ein wahres Martyrium durchlebt haben. Sie wurden von ihrem eigenen Onkel in ihrer Wohnung in Krailling bei München mit einem Seil gewürgt, dann mit einer Hantelstange geschlagen und schließlich mit einem Küchenmesser erstochen. Den Ermittlungsergebnissen zufolge müssen die Kinder um ihr Leben gekämpft haben und versuchten zu fliehen. Daneben bekamen sie mit, wie der Onkel das jeweils andere Mädchen malträtierte. Nun steht der 51-Jährige vor dem Landgericht München II und muss sich für diese Tat verantworten.
Grund für die Bluttat sollen Schulden gewesen sein. Die Anklage geht davon aus, dass der Onkle auch die Mutter der Kinder, sie ist die Schwester seiner Frau, umbringen wollte. Die Tat wollte er dann als sog. erweiterten Suizid der Mutter tarnen, um an das Erbe zu kommen. So wollte er die Finanznot der eigenen Familie lösen.
In der Nacht zum 24. März letzten Jahres soll sich der Vater von vier Kindern aus dem oberbayerischen Peißenberg in die unverschlossene Wohnung geschlichen haben - mit dem grausigen Plan, erst die beiden Mädchen und dann die Mutter umzubringen. Oberstaatsanwältin Andrea Titz erklärte, dass die Staatsanwaltschaft fest davon ausgeht, dass er erwartet hatte, auch die Mutter im Laufe des Abends noch anzutreffen. Diese half in der ca. 50 Meter entfernten Musikkneipe ihres Lebensgefährten aus und kam erst am frühen Morgen nach Hause. Hier fand sie dann die Leichen ihrer Kinder.
Der Onkel beging nach Meinung der Staatsanwaltschaft die Tat heimtückisch und aus Habgier. Im Rahmen der Ermittlungen wurde der bis dahin nicht straffällig gewordene Onkel als Zeuge vernommen. Er gab sogar freiwillig eine Speichelprobe ab, mit der die Ermittler einen Treffer landeten. Seine DNA fand sich den Leichen der Kinder, der Hantelstange, dem Messer und dem Seil. Am 1. April wurde der Postbote dann festgenommen und bestritt zunächst die Tat. Seine DNA-Spuren in der Wohnung erklärte er damit, dass er vor zwei Wochen bei einem Besuch Nasenbluten hatte. Später schwieg der Mann sich bei weiteren Verhören aus.
Geführt wird der Prozess am Landgericht München II vom Vorsitzenden Richter Ralph Alt. Von der Anklage sind insgesamt 63 Zeugen und neun Sachverständige zu diesem Indizienprozess benannt. Wie viele geladen werden, entscheidet das Gericht. Eine der wichtigsten Zeugen ist wohl die Ehefrau des Angeklagten, die sich in der Zwischenzeit von ihm scheiden ließ. Gegenüber dem Magazin Stern sagte sie im Sommer: Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er es war. Das wären zu viele Zufälle." Die Frau hatte anfangs ausgesagt, dass ihr Mann in der Tatnacht bei ihr gewesen sei. Diese Aussage revidierte sie später.
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